Energie & Umwelt

Fünf EU-Staaten fordern vollständiges Verbot von Ewigkeitschemikalien

Hohen Neuendorf, [Datum] – Die Diskussion über die Gefahren von Per- und Polyfluoralkyl-Substanzen (PFAS), auch bekannt als Ewigkeitschemikalien, gewinnt in Europa an Fahrt. Fünf EU-Mitgliedstaaten setzen sich für ein umfassendes Verbot dieser Chemikalien ein, die aufgrund ihrer Umweltauswirkungen und möglichen Gesundheitsrisiken in den Fokus gerückt sind. Doch während die Befürworter eines Verbots die Notwendigkeit betonen, die Umwelt zu schützen, warnen einige aus der Industrie vor den Folgen für grüne Technologien.

Die Bedrohung der Ewigkeitschemikalien

Per- und Polyfluoralkyl-Substanzen (PFAS) haben die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da sie sich in der Umwelt nicht abbauen lassen und bei unsachgemäßem Umgang potenziell die menschliche Gesundheit gefährden können.

Im Rahmen des internationalen Projekts “Forever Pollution Project” wurde an fast 40.000 Standorten in ganz Europa eine Kontamination mit PFAS festgestellt, nachgewiesen oder vermutet. Diese Chemikalien, die aufgrund ihrer antihaftenden, hitzebeständigen und wasserabweisenden Eigenschaften in verschiedenen Branchen weit verbreitet sind, sorgen für Besorgnis hinsichtlich ihrer Langlebigkeit und langfristigen Auswirkungen.

Die EU-Richtlinie zur Wasserqualität, zuletzt 2020 aktualisiert, legt einen Grenzwert für PFAS-Konzentrationen im Wasser ab dem 12. Januar 2026 fest. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat bereits einen Vorschlag zur Beschränkung von PFAS-Stoffen in Feuerlöschschäumen vorgelegt.

Ein weiterer Vorschlag für eine Beschränkung, der alle PFAS-Chemikalien abdecken würde, soll 2024 vorgestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass die Industrie auf neue PFAS-Moleküle ausweicht, die ähnlich gefährlich sind.

Der Vorstoß für ein Verbot

Im Januar dieses Jahres haben sich fünf EU-Länder – Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden und die Niederlande – an die EU-Chemikalienagentur gewandt, um ihre Bedenken bezüglich PFAS zu äußern. Ihr Ziel ist es, die Europäische Kommission bei der Ausarbeitung eines Vorschlags für ein umfassendes Verbot dieser Gruppe von Stoffen im Rahmen der EU-REACH-Verordnung zu informieren.

“Jetzt ist es an der Kommission, einen Vorschlag für diese spezifische Verwendung von PFAS auszuarbeiten”, erklärte Martijn Beekman, REACH-Beauftragter der Europäischen Kommission, bei einer Euractiv-Veranstaltung.

Lösungsansätze und Herausforderungen

Laut der Europäischen Umweltagentur gelten die meisten PFAS als mäßig bis stark gesundheitsschädlich. Die Suche nach Ersatzstoffen für PFAS mit vergleichbarer Leistung, aber ohne die Risiken, ist eine mögliche Lösung. Eine transparente Kennzeichnung von Produkten als “PFAS-frei” könnte ebenfalls dazu beitragen, die Verwendung dieser Chemikalien zu reduzieren.

Die Erforschung von PFAS gestaltet sich jedoch als äußerst zeitaufwändig und kostspielig, wie Professor Mark Bücking vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) betont. Obwohl PFAS seit Jahrzehnten auf dem Markt sind, gibt es immer noch mehr als 10.000 verschiedene Varianten, von denen einige noch nicht ausreichend erforscht sind.

Die Analyse dieser Substanzen erfordert ebenfalls viel Zeit und Ressourcen, da Labore und Ausrüstungen oft aufgrund der Verschmutzung durch PFAS umgebaut werden müssen.

Potenzielle Auswirkungen eines Verbots

Ein generelles Verbot aller PFAS könnte erhebliche Auswirkungen auf Hersteller haben, die diese Stoffe verwenden, was wiederum Konsequenzen für die grüne Technologiebranche hätte. Unternehmen, die PFAS in Produkten wie Brennstoffzellen oder für die Wasserstoffproduktion einsetzen, könnten aus Europa verschwinden.

Florian Henkel von Cellcentric, einem Joint Venture von Daimler Truck und der Volvo Group, warnte davor, die Risiken eines Verbots leichtfertig zu übersehen. Er verglich ein solches Verbot mit einem generellen Ölverbot, das sowohl Olivenöl als auch Motoröl betreffen würde.

Die besondere Situation der Clean-Tech-Industrie sollte jedoch nicht als Vorwand dienen, um strengere Regulierungen von PFAS-Stoffen zu verhindern, argumentierte Kestutis Kupsys, Vizepräsident des Litauischen Verbraucherverbands und Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA).

Die Diskussion über ein Verbot von Ewigkeitschemikalien wie PFAS zeigt deutlich die Spannung zwischen Umweltschutz und industriellen Interessen auf. Während der Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit oberste Priorität haben sollte, ist es entscheidend, eine ausgewogene Lösung zu finden, die sowohl die Risiken minimiert als auch die Bedürfnisse der Industrie berücksichtigt.

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