Soziales

Elke Erb: Eine Lyrikerin von außergewöhnlichem Format und Geistesblitzen

Am Montagabend ist mit Elke Erb eine der bedeutendsten und eigenwilligsten lyrischen Stimmen Deutschlands von uns gegangen. Die Büchnerpreisträgerin, die am 18. Februar 1938 in Scherbach geboren wurde, verstarb im Alter von 85 Jahren. Elke Erb hinterlässt ein erhebliches literarisches Erbe und wird für ihre einzigartige, bewegliche und vielseitige Dichtung in Erinnerung bleiben.

Ihr Verleger Urs Engeler hat sie mit einem treffenden Zitat verabschiedet: “Wind! – bist du da? – blas die Asche!” Dieser Ausdruck veranschaulicht die lyrische Intensität und Tiefe, die Elke Erbs Werk durchzieht. Obwohl sie vielleicht nicht so breit im öffentlichen Bewusstsein präsent war, wurde sie von ihren Kolleginnen und Kollegen hochgeschätzt und mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet. Zu ihren Ehrungen zählen der Huchel-Preis des Landes Baden-Württemberg, der Georg-Trakl-Preis, der Ernst-Jandl-Preis und ihre Berufung in die Akademie der Künste Berlin im Jahr 2012. Im Jahr 2020 erhielt sie den Büchner-Preis, wenngleich die Preisverleihung aufgrund der Corona-Pandemie beinahe ohne Publikum stattfand. Laudator Hendrik Jackson bemerkte damals: “Vielleicht ist keine Dichterin so voller Geistesblitze wie Elke.”

Elke Erb selbst beschrieb in ihrem Gedicht “Es sei, wie es will” aus dem Jahr 1998: “Ich höre nicht auf mich zu wundern.” Dieses Staunen und die Fähigkeit, sich von der Welt überraschen zu lassen, waren für ihre Arbeit von zentraler Bedeutung. In ihren “Eifel-Erinnerungen” schilderte sie ihre Kindheit in einem Dorf in der Eifel und betonte die Wichtigkeit des Staunens für ihre künstlerische Schöpfung.

Die Lebensgeschichte von Elke Erb spiegelt die Brüche und Veränderungen des 20. Jahrhunderts wider. Ihre Familie zog 1949 aus dem Rheinland in die DDR nach Halle. Dort arbeitete sie zunächst als Landarbeiterin, bevor sie sich als Lektorin etablierte. Schließlich wurde sie freie Autorin und Übersetzerin, wobei sie unter anderem Gedichte von Marina Zwetajewa ins Deutsche übertrug. Zudem war sie Herausgeberin des renommierten “Jahrbuchs der Lyrik” und eine engagierte Förderin junger Lyriktalente.

Ihre kritische Haltung und ihr unabhängiger Geist brachten sie jedoch auch in Konflikt mit den politischen Autoritäten. Die Staatssicherheit der DDR hatte sie im Visier, und auch nach der Wende behielt sie ihre kritische Stimme. In ihrem Buch “Der Faden der Geduld” formulierte sie ihre Haltung klar: “Ich bin außerhalb der Form. Und das ist eine Chance und ein Risiko. Die Menschheit geht mit mir ein Risiko ein, ich diene als Risiko.”

Elke Erbs Werk zeichnet sich durch seine Vielschichtigkeit und Experimentierfreude aus. Ihre Gedichte sind oft geprägt von einer präzisen Beobachtungsgabe und einem tiefen Verständnis für die Nuancen der Sprache. Sie verstand es meisterhaft, Worte in ungewöhnlicher Weise miteinander zu verknüpfen und so neue Bedeutungsebenen zu erschließen. Ihre Lyrik bewegte sich zwischen Alltäglichem und Abstraktem, zwischen Naturbeobachtungen und philosophischen Reflexionen.

Elke Erb wird in der deutschen Literaturszene eine Lücke hinterlassen, die schwer zu füllen sein wird. Ihr Werk wird jedoch weiterleben und Generationen von Lesern und Dichtern inspirieren. Mit ihrem unverwechselbaren Stil und ihrem tiefen Verständnis für die Kraft der Worte hat sie die deutsche Lyriklandschaft nachhaltig geprägt.

Related Articles

Back to top button