Soziales

Hinrichtung durch Stickstoffhypoxie in Alabama: Kontroverse Methode löst internationale Besorgnis aus

Berlin, 22. Januar 2024 – Der US-Bundesstaat Alabama plant eine möglicherweise grausame Premiere: Am 25. Januar könnte erstmals jemand durch Stickstoffhypoxie hingerichtet werden. Kenneth Smith, der zum Tode verurteilt wurde, soll mittels Stickstoffgas der Sauerstoff entzogen werden. Diese Hinrichtungsmethode ist bislang unerprobt und birgt das Risiko, quälend zu sein. Amnesty International äußert ernsthafte Bedenken angesichts dieser drohenden Hinrichtung und appelliert an die Gouverneurin von Alabama, die Pläne zu stoppen.

Der Fall von Kenneth Smith ist besonders dramatisch. Ursprünglich sollte er bereits 2022 durch eine Injektion hingerichtet werden, doch der Versuch schlug fehl. Dieser gescheiterte Hinrichtungsversuch war für den Verurteilten äußerst qualvoll. Er musste starke Schmerzen ertragen und leidet seitdem unter posttraumatischen Belastungsstörungen.

Sumit Bhattacharyya, USA-Experte bei Amnesty International in Deutschland, kommentierte die Situation: “Hinrichtungen sind per se grausam, unabhängig von der Methode. Doch im Fall von Kenneth Smith wird es noch schlimmer: Hier wird ein menschliches Leben quasi als Versuchskaninchen missbraucht. Amnesty International stuft die Hinrichtung durch Ersticken mit Gas als besonders grausam ein, sie könnte sogar als Folter gelten.”

Die Notwendigkeit für die US-amerikanischen Justizbehörden, neue Hinrichtungsmethoden zu finden, ergibt sich aus der Weigerung europäischer Arzneimittelhersteller, Medikamente für Narkose und Heilung zur Verfügung zu stellen, die in US-amerikanischen Gefängnissen zur Tötung von Menschen verwendet werden könnten. In der Folge ist die bisherige Methode der Hinrichtung durch Gift nicht mehr durchführbar. Experimente mit anderen Giftstoffen führten zu äußerst qualvollen Hinrichtungen, wie im tragischen Fall von Clayton Lockett im Jahr 2014, der unter sichtbaren Schmerzen erst nach 43 Minuten starb.

Kenneth Smith wurde im Jahr 1988 des Mordes beschuldigt, als er 22 Jahre alt war. Seine Kindheit war von schwerer häuslicher Gewalt geprägt. Der heute 58-Jährige verbrachte bereits 34 Jahre in Haft und galt im Todestrakt als gewaltfreies, respektvolles und konstruktives Mitglied der Gemeinschaft. In seinen Gefängnisakten sind vor allem Persönlichkeitsentwicklung und die Unterstützung anderer Insassen dokumentiert.

Als sein Fall 1996 erneut verhandelt wurde, stimmten elf der zwölf Geschworenen für eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Freilassung auf Bewährung. Diese Empfehlung wurde jedoch vom Richter überstimmt. Ein derartiges Vorgehen ist in Alabama seit 2017 verboten. Die Hinrichtung von Kenneth Smith würde zudem gegen den international anerkannten Grundsatz verstoßen, wonach Verurteilten nach einer Gesetzesänderung Milde gewährt wird, wenn diese nach der Begehung des Verbrechens erfolgt.

Die Vereinigten Staaten, das US-Militär und 27 US-Bundesstaaten halten weiterhin an der Todesstrafe fest. Seit 1976 wurden in den USA 1.582 Menschen hingerichtet, wobei verschiedene Methoden wie der elektrische Stuhl, Ersticken unter Einsatz von Gas, Erhängen, Erschießungskommandos oder tödliche Injektionen angewandt wurden. Amnesty International lehnt die Todesstrafe in jedem Fall und ohne Ausnahme ab, unabhängig von der Art des Verbrechens, der Schuld oder möglichen Unschuld sowie den Hinrichtungsmethoden eines Staates.

Die Organisation veröffentlicht jährlich einen Bericht zur weltweiten Anwendung der Todesstrafe, der weitere Einblicke in diese Thematik bietet.

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