Soziales

Leseschwäche bei Jugendlichen in der Schweiz: Ein dringendes Problem mit weitreichenden Folgen

In der Schweiz steht das Bildungssystem vor einer bedeutenden Herausforderung: Ein Viertel der 14-jährigen Jugendlichen erreicht nicht das erforderliche Kompetenzniveau im Lesen. Diese alarmierende Erkenntnis bringt tiefgreifende Implikationen mit sich, sowohl für die individuelle Entwicklung der Jugendlichen als auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Anke Schmitz, Professorin für Deutschdidaktik an der Pädagogischen Hochschule FHNW, erklärt, dass leseschwache Schülerinnen und Schüler nur punktuelle Informationen aus Texten entnehmen können, ohne das eigentliche Verständnis oder die Absicht hinter dem Text zu erfassen. Diese mangelnde Fähigkeit im Lesen und Verstehen hat weitreichende Konsequenzen, nicht nur für die akademische, sondern auch für die berufliche Zukunft der Betroffenen.

Die Situation ist besonders beunruhigend, da unter den leseschwachen Jugendlichen viele potenzielle Fachkräfte sind, die in der Arbeitswelt dringend benötigt werden. Die Fähigkeit, Texte zu verstehen und sich sprachlich auszudrücken, ist in fast allen Berufsfeldern von zentraler Bedeutung. Dies gilt umso mehr für Berufslehren, in denen Kommunikationsfähigkeiten und das Verfassen von Texten wie Angeboten und Rechnungen unerlässlich sind.

Schmitz betont die Notwendigkeit von systematischer Leseförderung in den Schulen. Durch gezielte Maßnahmen, wie das Arbeiten an der Leseflüssigkeit und der Einsatz von Lesestrategien, können Schülerinnen und Schüler unterstützt werden. Das “Trainer-Sportler-Modell” in der Primarschule und die Förderung von Lesestrategien in der Sekundarstufe sind dabei wirkungsvolle Ansätze.

Ein weiterer Aspekt, der zu dieser Problematik beiträgt, ist die zunehmende Nutzung des Internets und sozialer Medien. Obwohl das Lesen im digitalen Raum seine eigenen Herausforderungen birgt, ist es für Schülerinnen und Schüler, die analoge Texte verstehen können, weniger problematisch. Für jene, die jedoch keine soliden Lesefähigkeiten entwickelt haben, erschwert das digitale Umfeld das Verständnis und die kritische Auseinandersetzung mit Texten.

Die sozioökonomischen Bedingungen und der Migrationshintergrund sind weitere Faktoren, die die Lesekompetenz beeinflussen. Allerdings ist die Muttersprache allein nicht ausschlaggebend für das Lesenlernen. Vielmehr sind es die sozialen und wirtschaftlichen Umstände, die den größten Einfluss haben.

In einer Zeit, in der klassische Romane an Beliebtheit verlieren und stattdessen Kurztexte und Social-Media-Posts im Vordergrund stehen, müssen Schulen und Bildungseinrichtungen innovative Wege finden, um das Interesse am Lesen zu wecken und die Lesekompetenz zu fördern.

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