Soziales

Trauerfeier für Wolfgang Schäuble: Politik, Gesellschaft und Religion würdigen seinen Einsatz für die Demokratie

Berlin, 22. Januar 2024 – In einem bewegenden Trauergottesdienst im Berliner Dom haben Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften Abschied genommen vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU), der am 26. Dezember im Alter von 81 Jahren verstorben ist. Die Trauerfeier fand im Beisein der Familie Schäubles sowie hochrangiger politischer Vertreter und Vertreterinnen aus Gesellschaft und Religion statt. Der Trauerstaatsakt im Bundestag war im Anschluss geplant.

Die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hielt eine bewegende Predigt und würdigte Schäuble als einen “imponierenden Antipopulisten”. Sie betonte seine Hingabe und Leidenschaft im Dienste des Gemeinwesens und der Demokratie. Gleichzeitig verwies sie auf Schäubles Glauben, den er stets von der Politik getrennt habe. Fehrs erklärte, dass der Glaube die Grundlage politischen Handelns sei, während die Politik an das Machbare und den Kompromiss gebunden sei. In einer Zeit, die oft von ideologischer Aufladung geprägt sei, sei diese Unterscheidung von besonderer Bedeutung.

In den vorderen Reihen des Berliner Doms nahmen hochrangige politische Persönlichkeiten Platz, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD), Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth und Bundesratspräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), ehemalige und aktuelle Bundesministerinnen und -minister sowie zahlreiche Regierungschefs der Länder waren anwesend. Unter den prominenten CDU-Politikern befand sich auch der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder.

Wolfgang Huber, der frühere EKD-Ratsvorsitzende, hob in seiner persönlichen Würdigung Schäubles Gründung der Deutschen Islamkonferenz hervor. Diese Plattform für den Dialog zwischen Staat und Islamverbänden wurde 2006 von Schäuble als Bundesinnenminister ins Leben gerufen und hatte weitreichende Auswirkungen. Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts an Schulen sowie der islamischen Theologie an deutschen Universitäten geht auf die Gespräche und Initiativen der Islamkonferenz zurück. Die Anwesenheit jüdischer und muslimischer Geistlicher sowie Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche bei der Trauerfeier verdeutlichte das interreligiöse Engagement Schäubles.

Wolfgang Schäuble gehörte mehr als 50 Jahre dem Bundestag an und hatte in seiner politischen Karriere diverse Ämter inne, darunter Bundesminister, Partei- und Fraktionschef. Er wurde am 5. Januar in seiner Heimatstadt Offenburg beigesetzt.

Die Trauerfeier für Wolfgang Schäuble diente nicht nur als Abschied von einem herausragenden Politiker, sondern auch als Anerkennung seines unermüdlichen Engagements für die Demokratie und den interreligiösen Dialog. Sein Vermächtnis wird in Erinnerung bleiben und weiterhin inspirieren.

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